Obsolete Wundtherapeutika

obsolet – veraltet, nicht mehr gebräuchlich, überflüssig

…und dennoch tagtäglich im Gebrauch. Wir haben hier einige Produkte aus der täglichen Anwendung aufgeführt, um die Gefahren und Unannehmlich- keiten bei der Anwendung am Patienten darzustellen.

Im 21. Jahrhundert beanspruchen wir flimmerfreies Fernsehen via HD-TV sowie einen brillanten Klang im Super Dolby Stereo Sound…unseren Patienten jedoch müssen Therapeutika genügen, weil wir das schon immer
so machen…

OBSOLETE PRODUKTE ZUR WUNDSPÜLUNG

ETHANOL 50 – 80% wirkt innerhalb einer Minute bakterizid. Ethanol wirkt jedoch nicht gegen Viren und Sporen und ist zudem schmerzhaft für die Wundbehandlung.

ESSIGSÄURELÖSUNG Peressigsäure 0,1 – 0,2% wirkt gegen Bakterien, bakterielle Sporen und Viren. Sie hat einen starken Geruch und reizt die Schleimhäute. Auf Wunden sehr schmerzhaft und gewebeschädigend. Indikation im Katastrophenschutz. (Trink-u. Abwasserdesinfektion)

ZITRONENSÄURELÖSUNG wirkt entzündungshemmend. Vitamin – C fördert die Bildung von Kollagen. Zitronensäurelösung ist jedoch zu schmerzhaft für offene Wunden.

GLUCOSELÖSUNG regt die Osmose an, wird jedoch resorbiert.

WASSERSTOFFPEROXYD 3% wirkt zytotoxisch und hemmt die Fibroblasten. Die Anwendung kann zu Nekrosen führen. Es liegt keine Indikation zur Anwendung vor.

NACL 3%, 5% soll nicht verwendet werden, da es zur Schädigung von Granulationsgewebe führt. NACL 0,9 % ist zwar isoton, sollte jedoch bei großflächigen Wunden nicht verwendet werden, da das Fehlen von Kalzium und Kalium zu einer Elektrolytverschiebung führen kann. (lokal und systemisch)

DESTILLIERTES WASSER Spüllösungen sollten immer Natrium, Kalium, Kalzium und Chlorid enthalten, um von Seiten der Osmolarität dem des Blutplasma oder der extrazellulären Flüssigkeit angepasst zu sein. Destilliertes Wasser hat diese Voraussetzungen in keinster Weise. Es kann zum Anschwellen der Zellen durch übermäßige Flüssigkeitseinströmung und zur Elektrolytverschiebung sowohl lokal als auch systemisch bei großen Wunden kommen.

LEITUNGSWASSER ist nur zulässig mit Sterilfilter, welcher jährlich gewechselt werden muss. (In Privathaushalten praktisch nicht etablierbar)

OBSOLETE WUNDANTISEPTIKA

RIVANOL (Ethacridinlösung) zeigt eine ausgeprägte Sensibilisierungs-potenz, und ist wenig wirksam gegen gramnegative Erreger. Es hemmt die Granulation und steht im Verdacht der mutagenen Wirkung (genetische Veränderung an Chromosomen). Es kommt zur starken Braunfärbung bei der Anwendung. Früher war es Mittel der Wahl beim Erysipel (Kühleffekt)

KALIUMPERMANGERNAT wirkt adstringierend. Die Haut wird unflexibel und empfindlich. Mikroorganismen können eindringen. Das Einwandern von Epithelzellen ins Granulationsgebiet wird verhindert. Hartnäckige braune Hautverfärbung erschwert die Wundbeobachtung.

MERCUROCHROM enthält Quecksilber. Es wirkt nur bakteriostatisch und ist zudem zelltoxisch. Es führt zu Wundheilungsstörungen und zur Nekrosenbildung. Rotverfärbung erschwert die Wundbeobachtung. Seit 2003 in Deutschland verboten.

PYOCTANINLÖSUNG wie Kristallviolett (Gentianaviolett, Methylviolett) 0,25% – 2%, hat große Wirkstofflücken und ist zelltoxisch. Der Farbstoff erschwert die Wundbeobachtung. Restindikation in der Dermatologie bei Mykosen.

CHLORHEXIDIN wie Merfen, zeigt Wirkungsschwächen bei Sporen und Viren. Zytotoxizität im Tierversuch sowie vermutlich mutagene und kanzerogene Wirkung. Restindikation in der Mundhöhle. Chlorhexidin wird von der Mundschleimhaut nicht resorbiert und haftet sehr gut.

OBSOLETE LOKALANTIBIOTIKA

Seit 1999 sollte bekannt sein, dass sich Antibiotika nicht zur Lokaltherapie eignen. Ausnahme ist die Augen- und Ohrenheilkunde. Lokalantibiotika führen häufig zu Allergien und zu Resistenzen. Zudem wirken sie nicht in der Tiefe. Beispiele sind:

REFOBACIN SALBE (Gentamycin)
NEBACETIN SALBE (Neomycin)
AUREOMYCIN SALBE (Tetracyclin)
FLAMMAZINE SALBE Sulfadiazin – Silber. Da derzeit kein gleichwertig wirkendes Alternativprodukt zur Verfügung steht, kann es für die ersten 5 Verbandswechsel bei Verbrennungen, Verbrühungen und Verätzungen verwendet werden. Der Verbandswechsel muss täglich erfolgen.

LEUKASEKEGEL Neomycin kann in Ausnahmefällen zum Offenhalten von Fistelgängen angewendet werden. Wirkt auch schmerzstillend und enzymatisch. (Anwendungsbeschränkung!)

Cremes, Pasten, Puder, Salben, Tinkturen, etc.

Das Einbringen von selbigen ist laut ihrer Beschaffenheit und Inhaltstoffe in eine Wunde obsolet. Keines dieser benannten Produkte zeigt eine durch akreditierte Institutionen nachgewiesene Förderung der Wundheilung.
Teebaumöle, Zinkpasten- und salben sowie andere Präparate aus medizinischem Honig oder dergleichen erweisen in keiner geschlossenen Studie positive Ergebnisse zur Verbesserung der Gewebeentstehung.

Hautpflegeprodukte sind ausschließlich auf intakter Haut anzuwenden und haben auch auf dem Wundrand nichts zu suchen. Zinkbarrieren um ein entstehendes Granulationsgewebe fördern weder den Heilungsprozess, noch haben sie eine positive Wirkung auf Mazeration oder stellen einen sicheren Schutz gegen das Eindringen von Mikroorganismen dar.

Zinkpasten- und -salben sind schwer zu entfernen, resorbieren in das Gewebe und stören die Hautatmung.