Langfristiger Heilmittelbedarf bei Lymphödem

Tausende von Frauen und Männern durchleben ein Martyrium während ihres Leidensweges von der Jugend an, über die Erstdiagnose hinweg bis zu einer adäquaten Behandlung.

„Nehmen Sie ab, Sie sind adipös“ – ist noch eine harmlose Formulierung, mit denen unsere Patienten konfrontiert wurden.
Das Lymphödem kommt selten allein und hat als sekundäres Ödem meist das Lipödem im Schlepptau dabei.
Was auch immer zur Fehleinschätzung seitens der Ärzteschaft geführt hat, es prägt einen jeden Lymphpatienten für dessen Leben.

Dabei scheint die Diagnose leicht, schaut man sich die Proportionen an, achtet auf feine Unterschiede, bemüht sich, den Patienten von „Nacke bis Hacke“ zu inspizieren. Ob positives Stemm-Zeichen oder verquollene Malleolen der Füße, Druckempfindlichkeiten der Gewebe und ja…die Anamnese! Aus dem Leidensweg des Patienten ergibt sich meist schon die sichere Diagnose und dann ist alles andere kaum noch ein Problem…

Denken Sie? Weit gefehlt, das Theater geht weiter – begrenzte Kassenleistung, Angst vor Regress und das Budget! Herrje..das Budget!

Wir erklären kurz uns knapp den langfristigen Heilmittelbedarf und seine Rechtssicherheit in der Anwendung laut AWMF-Leitlinie Reg.-Nr. 058-001

Die Lymphödem-Stadien werden wie folgt unterteilt:

Stadium I: Das Ödem ist weich und kann durch Hochlagern reduziert werden. Es ist somit spontan reversibel.
Stadium II: Das Ödem zeigt sekundäre Gewebeveränderungen und ein Hochlagern kann die Schwellung nicht mehr beseitigen. Es ist somit nicht spontan reversibel.
Stadium III: Es kommt zu harten, fibrosierten Gewebeveränderungen. Die Gewebe sind durch den Lymphstau deformiert und lassen sich kaum noch durch Kompressionsversorgung beeinflussen.

Allein die KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) ist als Mittel der Wahl langfristig für den Patienten überlebenswichtig.
Frustrane Diäten, sportive Betätigungen, sowie alimentäre Veränderung der Stoffwechsellage stellen kein geeignetes Behandlungskonzept dar.

Die Versorgung mittels flachgestrickter Kompressionsbestrumpfung sowie zeitgleicher manueller Lymphdrainage halten zum Einen den Status quo, und können im frühen Stadium das Fortschreiten einer Gewebeschädigung positiv beeinflussen.

Der Mangel an Fachkräften im Sektor der Physiotherapeuten als auch die inakzeptable Finanzierung dieser essentiellen Berufsgruppe wird in den kommenden Jahren eine Zunahme der stagnierenden Therapieerfolge von Stadium II Patienten mit sich bringen.

Die durch den BGM Herrn Spahn offerierte Freigabe der liposuktiven Therapie von Stadium III Patienten erscheint hier als legitimes Inkauf- nehmen von Leidensaspekten gegenüber Patienten im Stadium I und II.

Bewusstes Zurückhalten von indizierten Leistungen bei nachgewiesener Kenntnis einer Krankheitsentwicklung bis hin zur Akzeptanz von progredienten Verläufen stellt u.E. den Tatbestand einer Körperverletzung dar.

Wir fragen daher den BGM Herrn Spahn:

„Halten Sie die empfohlene Therapie mittels Kompressionsbestrumpfung und manueller Lymphdrainage (zeitlich reguliert bei Stadium I) für eine menschenwürdige und zeitgemäße Behandlung?“

Wenn ja, erklären Sie sich bitte zu Ihrem Bildungsstand in der Behandlung von Lymphpatienten und deklarieren Sie nachweisliche Erfolge in der Behandlung von Stadium I Patienten über einen angemessenen Zeitraum der letzten 30 Jahre. Genau so lange können wir auf unsere Erfahrung in der Behandlung und Betreuung dieser Menschen zurückgreifen.

Für unsere Mitstreiter hier nun die Auflistung der ICD Codes, welche nicht der Wirtschaftlichkeitsprüfung unterliegen und ausserhalb des Regelfalles budgetneutral verordnet werden können:

I 89.01 Lymphödem der oberen und unteren Extremitäten Stadium II
I 89.02 Lymphödem der oberen und unteren Extremitäten Stadium III
I 89.04 Lymphödem: Kopf, Hals, Thoraxwand, Genital Stadium II
I 89.05 Lymphödem: Kopf, Hals, Thoraxwand, Genital Stadium III
I 97.21 Lymphödem nach (partieller) Mastektomie Stadium II
I 97.22 Lymphödem nach (partieller) Mastektomie Stadium III
I 97.82 Lymphödem nach med. Maßn. am axillär. Lymphabluss St. II
I 97.83 Lymphödem nach med. Maßn. am axillär. Lymphabluss St. III
I 97.85 Lymphödem nach med. Maßn. am inguinal. Lymphabfl. St. II
I 97.86 Lymphödem nach med. Maßn. am inguinal. Lymphabfl. St. III
Q 82.01 Hereditäres Lymphödem der ob. u. unt. Extrem. Stadium II
Q 82.02 Hereditäres Lymphödem der ob. u. unt. Extrem. Stadium III
Q 82.04 Hereditäres Lymphödem: Kopf, Hals, Thoraxwand, Genital St. II
Q 82.05 Hereditäres Lymphödem: Kopf, Hals, Thoraxwand, Genital St. III

Die Verordnung von MLD zu den genannten Schlüsseln sollte in der Erstverordnung zu 5x á 6 MLD 60
Folgeverordnung zu 3x á 10 MLD 60 und dann wie gewünscht ausgestellt werden.
Manuelle Lymphdrainage für die Arme ist extra zu verordnen und wird im gleichen Rahmen rezeptiert.